CD: LIVE IN ZURICH

2011, Unit Records CD UTR 4329 // 6 Tracks // 49:58
Musicians Christoph Gallio alto & soprano sax // Jan Roder double bass // Oliver Steidle drums // Production notes All copositions are by Gallio Roder Steidle // Recorded live march 24th at Jazzclub Moods in Zurich by Will-y Strehler // Mixed and mastered at Will-Y Klangdach Studio in Guntershausen by Will-y Strehler // Photo inside by Marco Birkner // Liner notes by Peter Weber // Graphic design by Anne Hoffmann // Cover art by Stefan Gritsch

Samples

  1. PART 1 C p
  2. PART 2 A p

Reviews

BAD ALCHEMY, RIGOBERT DITTMANN

Drei Blumenboten fallen da mit schreienden Farben ins Haus, selbst Staatsanwälte werden von Etwas überschauert, das sich dem Paragraphenzwang entzieht. Christoph Gallio öffnet mit seinem Alto- Kikeriki Tür und Ohr. Was folgt (was am 24.3.2010 im Jazzclub Moods in Zürich folgte), ist inspirierend und 'heiß', und eine Fortsetzung von Weltverbesserung mit ganz anderen Mitteln, eine, bei der kein Bankier in seinem Blut liegt. Gallios Partner - der Staatsanwalt würde sie wohl unverblümt Mittäter nennen - sind am Kontrabass der erfindungsreiche Jan Roder (Monk's Casino, Silke Eberhard, Ulrich Gumpert) und an den Drums der durchwegs erstaunliche Oliver Steidle (Der Rote Bereich, Klima Kalima). Dass die beiden Besucher aus Berlin auch als Anstifter gewirkt haben, ist eher unwahrscheinlich, zu seiner Apachenmähne ist Gallio jedenfalls nicht über Nacht gekommen. Ich habe ihn noch nie so hitzig blasen hören, so nervenaufreizend, mit soviel Lust, sich ins Getümmel zu stürzen. Anders als bei der lacyesken Sophistication von Day & Taxi bestürmen hier urbane Turbulenzen und vitale Interessen das Bewusstsein. Vorne rauscht der Verkehr und tobt der Betrieb, im Hinterhof werden Mülltonnen hin und her gezerrt, zwei- und vierbeinige Großstadtindianer stöbern nach Ess- oder sonstwie Verwertbarem und in zerfledderten Gedichtbändchen. Da kommen Dissonanzen ins Spiel, für die mir die Dornenmetapher albern vorkäme. Steidle klappert und rappelt, Roder knarzt und sägt und liefert kernige Argumente, Gallio keckert und schrillt auf dem Soprano wie auf dem Kriegspfad. Bis zur letzten Sekunde rauchen da die diskutierfreudigen, von Skrupeln, Melancholie und Übermut erfüllten Köpfe. Die Cocktails auf dieser Memorialparty von 'Züri brännt' kommen nicht mehr als Molotows, sondern mit Schirmchen und Zuckerrand. Aber der Krawall, den Schlagzeug und Bass, von einer durchdringenden Sopranolanze angestachelt, da auf dem Höhepunkt veranstalten, der zaubert Einigen, die vor 30 Jahren die Alpen hatten sprengen wollen, doch ein breites Grinsen ins Gesicht. Das Trio endet, statt abgeklärt zu deeskalieren, mit alarmierendem Zickzack. Plädiert nicht der kesse Spontispruch als Name schon sub rosa für ein röteres Demnächst? Also erzählt mir nicht, dass es da bloß um einen netten Abend in Zürich geht mit ein bisschen Katzenmusik für Vorgärtchenspießer.

TOUCHING EXTREMES, MASSIMO RICCI

A trio that improvises with gusto in almost total dearth of typecasts, Rosen Für Alle are Christoph Gallio on alto and soprano sax, Jan Roder on double bass and Oliver Steidle on drums. The six tracks propose music that is noncompliant in a somewhat humorous way, not predisposed to resentment, apparently unlinked. The musicians favor razor-sharp reports as opposed to gratuitous panegyrics, leaving a modicum of space around multitudes of quirky pitches and lithe digressions, so that the audience can at least believe of having committed to memory, if not entirely digested, a part of the helpings. Jumpy drafts typified by the innate elegance of technically advanced (and yet open-minded) instrumentalists, lots of hypothetical associations in hundreds of fizzing bubbles with a vague scented of modern-day free jazz. Gallio’s eloquence remains evident along flights through various phraseologies, a gently caustic timbre defining healthily misleading melodic snippets. Roder’s dodging of prescriptions – the bass as the propellant of a vehicle in which three drivers often wish to take the wheel at the same moment – and Steidle’s unreal mastery of convulsive pulse’s secreted aspects boost the general get-up-and-go temper. Things are told in your face, sometimes slightly antagonistically. Then, a smile appears.

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, UELI BERNAYS

Zu dritt in der Gegenwart // Es gibt eine Zeit der Einkehr, des Sammelns und Übens. Dann steht man auf einer Bühne, mit Mitmusikern, vor einem Publikum. Und holt Luft, um improvisierend die Gegenwart zu bespielen. Im Interplay entladen sich gestaute Inspirationen, Energien. Dabei zeigt sich, ob das Können, die persönlichen Erfahrungen fruchtbar werden, Spannung erzeugen im Wechselstrom des künstlerischen Austausches. Auf «ROSEN FÜR ALLE», dem neusten Album des Schweizer Saxofonisten Christoph Gallio (es handelt sich um den Mitschnitt eines Konzertes im Zürcher Jazzklub Moods), bewährt sich die Kombination der Persönlichkeiten. Dass Gallio Trio-erfahren ist – in wechselnder Besetzung hat er immer wieder mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger musiziert –, hört man der Aufnahme an. Mit klaren Motiven und nonchalantem Drive geht er die einzelnen Stücke an und reisst Jan Roder am Kontrabass und den feinsinnigen Drummer Oliver Steidle mit in seinen musikalischen Gedankenstrom. Wo Free Jazz einst als Akt der Befreiung, ja als permanente Revolution erlebt wurde, erinnert das Genre hier eher an das lustvoll animalische, ebenso sinnlose wie sinnlich anrührende Singen und Zwitschern von Vögeln. Man hört lächelnd zu und freut sich über die Musikalität, die sich einerseits in feinsinnig reduzierter Begleitung zeigt, die Klarheit schafft und Raum für die expressive Kür der Kollegen. Andrerseits bewähren sich die Musiker durch ihren solistischen Elan: Gallio und Roder vorab schaukeln sich dialogisch hoch zu Causerie oder fiebriger Exzentrik.

FRTEISTIL, FELIX

Der Zürcher Jazzclub Moods war im Frühjahr 2010 Schauplatz des hier aufgenommenen "Rosen für alle"-Konzerts. Saxofonist Christoph Gallio bläst sich öfter als einmal die Seele aus dem Leib. Dennoch ist das ein für seine Verhältnisse und vor allem verglichen mit den Publikationen auf seinem percaso-Label wenig experimentelles Album - die Experimente scheinen sich auf die liner notes von Peter Weber zu beschränken. Vielmehr handelt es sich bei diesem Konzertmitschnitt um eine lupenreine Freejazzsache. Sohin besteht Freiraum nur in einem klar abgesteckten Territorium. Der wird dafür bis in die letzten Quadratzentimeter hinaus genutzt. Jan Roder & Oliver Steidle heißen die beiden anderen Komponenten dieses homogenen Teams. Fesche Jazzplatte. Danke für die Blumen! 

MUSICZOOM.IT, VITTORIO LO CONTE

La collaborazione svizzero-tedesca dietro questo disco non deve sorprendere: non succede tutti i giorni ed il risultato è eccellente! I musicisti coinvolti in un progetto dal nome un pò speciale, che tradotto significa rose per tutti, sono Christoph Gallio ai sax alto e soprano, di Zurigo e la ritmica di solito residente a Berlino Jan Roder al contrabbasso e Oliver Steidle alle percussioni. Il free ritorna sul palco del Jazzclub Moods di Zurigo, come sempre con la sua carica eversiva, la provocazione, la possibilità di esprimersi finalmente senza stare a controllare se il nodo della cravatta è a posto ed il gel nei capelli dà la giusta piega. Tutti e tre sono di casa nei territori dell´avanguardia, e non solo, avendo già lasciato una serie di incisioni sul tema, specie Gallio, che tempo fa ha pubblicato per la sua Percaso Production un lavoro dedicato a Gertrude Stein in cui insieme alla cantante Ellen Christi c´era la ritmica di William Parker e Rashied Ali. Ora ritorna al genere con questo trio internazionale, con dei musicisti con cui si può incontrare regolarmente a costruire una musica libera da ogni confine. Al sax alto un pò alla Roscoe Mitchell, grandissimo al sax soprano (ha studiato con Steve Lacy) nel quinto brano, quasi 15 minuti in cui spreme letteralemente tutto quello che uno strumento può dare, senza badare troppo alla forma ed alla bellezza intesa in senso tradizionale. Con la ritmica l´intesa è perfetta e questo live, scelto volutamente per dare un´idea reale delle possibilità del trio, gli rende giustizia. I suoni macerati e striduli del sax alto si incrociano con un contrabbasso ed una batteria molto fantasiosi, in grado di dargli degli spunti da cui ripartire ogni volta alla ricerca di un qualcosa che solo lui riesce a cogliere nell´atmosfera del live, quella comunicazione senza parole con il pubblico che trascina tutti per cinquanta minuti compatti ed intensi. Un omaggio al free della New Thing ed all´Europa, ai festival a Berlino della FMP, ad un movimento che ha lasciato tracce importanti. Il free è ancora vivo e vegeto e qui si lancia apertamente una sfida al futuro.

CADENCE MAGAZINE, BERNIE KOENIG

The liner states that the track points are provided for convenience and are not divisions of the parts. The record sounds like two long continuous improvisations. At times when I heard shifts in tempo or solos and checked to see if a new part had started, as often as not was the case. Like so many extended improvisations, there are shifts in tempo and in who is out front. For example, there is a long solo by Roder beginning in part C, but is carries into part D for about ten seconds before Gallio enters. There does seem to be a short break between parts A and B. This is where Gallio switches to tenor and things quiet down for a bit. He squawks a bit more here and the playing is a bit more restrained, though it picks up later on. Commenting on records like this gets harder the more I listen to them. What can one say about extended free improvisation that hasn’t been said before? The playing is of a very high caliber, the musicians listen well to each other and work well off of each other, and they all play with extremely high energy. Gallio’s style is to use short bursts of notes, contrasted with some held notes. At times he sounds like he is trying to actually play a melodic line, but that doesn’t last long. He loves the upper register of the alto, and while he does not scream, his high notes get a bit tiresome after a while. Solos by Roder and Steidle are also very good but at times last a bit longer than is necessary. But, and I understand this perfectly, when one is in a groove, it is hard to stop. This is a perfectly good example of free improvisation, but there is little that makes this record stand out from so many other good recordings of this type of music, though a couple of Roder’s solos, which are excellently accompanied by Steidle will fill that bill.

ALL ABOUT JAZZ, VINCENZO ROGGERO

Rosen Für Alle (Rose per tutti) è il nome del trio svizzero-tedesco protagonista di questo Live in Zurich, messaggio beneaugurante, di fraterna distensione quanto mai auspicabile in un clima tutt'altro che sereno. Ma già le prime note alimentano il sospetto che le rose in questione abbiano spine ben acuminate, aculei velenosi conficcati nel molle ventre delle convenzioni e delle certezze musicali. Christoph Gallio lancia dardi di fuoco con il sax contralto esplorando, in un girovagare apparentemente senza meta, ogni possibile anfratto dello spazio sonoro. Con il sax soprano il musicista svizzero esaspera la lezione di Steve Lacy (del quale è stato alunno) portando alle estreme conseguenze, e quindi trasfigurando, i concetti di forma, eleganza e bellezza. Il contrabbasso di Jan Roder, scuro, potente, grasso, autore di pregevoli interventi, funge da occasionale centro tonale dell'esecuzione, mentre in versione archettata proietta la musica verso una dimensione di stampo avanguardistico. La batteria di Oliver Steidle sa essere puntillistica, travolgente, magmatica, metafisica, in poche parole camaleontica, sempre comunque stimolante e propositiva, motore inesauribile e aperto alle più improbabili soluzioni ritmiche. La registrazione è suddivisa in due mini suite connotate da una semplice numerazione, senza titoli, come a voler togliere qualsiasi suggestione o condizionamento che non sia quello dettato dall'ascolto. Che è reso ancor più ostico dall'assenza della ritualità dell'esibizione live e dalla scelta di Gallio e soci di proporre una musica cruda, senza compromessi, provocatoria ma anche, aggiungiamo noi, un po' farraginosa. Valutazione: 3 stelle

JAZZ WORLD, KEN WAXMAN

... Conversely the situation is different over in Switzerland. A Free Jazzer from the get-go, self-taught alto saxophonist Christoph Gallio, who lives near Zürich, has played with a variety of fellow Swiss and out-of-country experimenters for years. Probably best-known for his Day & Taxi band, Rosen Für Alle (Roses for Everybody) tethers him firmly in the milieu he sometimes abandons for more melodic projects with dancers or composing program music. The Teutonic twosome behind him are the compatible associates to help explore this powerful nearly 50-minute Free Impov opus. Both Berliners, drummer Oliver Steidle and bassist Jan Roder, are compatible in groups like pianist Aki Takase’s trio and the drummer’s own Soko Steidle. Steidle also plays in Der Rote Bereich with bass clarinetist Rudi Mahall, while Roder anchors Die Enttäuschung combo with Mahall and trumpeter Axel Dörner. With appropriate time put aside for demonstrations of the drummer’s double pumping, rim shots and ruffs and the bassist’s sul ponticello emphasis and angled spiccato, the bulk of the CD’s breathing space is still is given over to Gallio’s inventions. Alongside the saxophonist’s free-form juddering lines and penetrating cries, Steidle slaps his cymbal and hi-hat, ratamacues, as well as taps the nickel plated sides of his drum rims to create appropriately sympathetic sounds. Meanwhile Roder’s time-keeping is divided between gnarly pumps and a steady walking pace. Using angled extensions and fierce multiphonics, the saxophonist’s broken-octave strategy takes in the nuances of every nephritic split tone and altissimo scream, often outputting super speedy glissandi that split apart as soon as they appear. Elsewhere Gallio accumulates legions of staccato glissandi which flow on seemingly without end or alteration. This penetrating intensity takes in triple and quadruple tongue fluttering plus tongue stopping as Roder thumps his strings and Steidle clatters parts of his kit. By the improvisation’s final measures, as Gallio has wrung and wiggled choked cackling as well as near inaudible trills from his saxophone, the drummer shakes bells to vary his rhythm as the bassist walks the other two safely to a released-tension finale. Despite rumors of its demise by neo-con players and others, Free Jazz in all its variations still flourishes. These European sessions demonstrate a couple of strategies to display individual variations on the form.