CD: DAY & BUS

2021, CD CREATIVE SOURCES RECORDINGS 720 // 1 Track // 32:32 Musicians Christoph Gallio soprano, C-melody & alto sax // Dominique Girod double bass // Dieter Ulrich drums & bugle // Production notes All copositions are by Gallio / Girod / Ulrich // Recorded for the series "Life At The Zoo" at studio THE ZOO  in Berne, Switzerland, 2021 May 18th by Felix Wolf & Wolfgang Zwiauer // Mastered by Felix Wolf // Produced by the band, Tom Gsteiger, Wolfgang Zwiauer & Ernesto Rodrigues // Photo on disc by Wolfgang Zwiauer // Graphic design by Anne Hoffmann // Cover art by Silvia Bächli

Reviews

MUSICA ZOOM.IT, VITTORIO LO CONTE

Christoph Gallio è in questa nuova incisione effettuata allo Studio The Zoo di Berna in Svizzera insieme a Dominique Girod al contrabbasso ed al veterano Dieter Ulrich alla batteria. È un lungo brano della durata di 32 minuti e 32 secondi, in cui fa tutto per dimostrare la sua opinione di “non pentito” in grado di realizzare un’incisione free insieme ad una band in completa sintonia. Al sax alto è sulle linee di un Roscoe Mitchell, al c-melody sax ricorda a momenti le improvvisazioni di Sam Rivers al sax tenore, e poi ancora al sax soprano, la sua musica evoca momenti dei colleghi afroamericani, spesso in visita in Europa. Sono momenti intensi e concitati in quanto la ricercata brevità dell’incisione non permette situazione troppo estese nell’improvvisazione, è un distillato in cui tutto si presenta nella sua essenza migliore. Bravissimi i due della sezione ritmica, il contrabbassista si ritaglia anche un bel momento in assolo, e l’esperto batterista.

SALT PEANUTS*, EYAL HAREUVENI

Swiss sax player Christoph Gallio, double bass player Dominique Girod and drummer Dieter Ulrich comprised the one of first incarnations of the avant-jazz trio Day & Taxi already in the late nineties. Gallio, a disciple of Steve Lacy, continues to lead this trio, now with double bass player Silvan Jeger and master drummer-percussionist Gerry Hemingway. Gallio, Girod and Ulrich continued to collaborate in different projects and formats and in 2008 founded a twin trio to Day & Taxi, Day & Bus, that recorded its debut live album «Places» (Ayler, 2008), as what was thought to be «a one-time concert, for fun and old times sake».

Gallio, Girod Ulrich know each other inside out and the one self-titled, 32:32-minute free improvisation proves that this trio still makes lots of fun. Or as Ulrich described the trio’s dynamics already after recording «Places»: «No new wine in old bottles; rather old wine that has matured, nonetheless tasting new…». The sophomore album of Day & Bus was recorded live as part of the series «Life At The Zoo» at Studio the Zoo in Berne in May 2021.

The interplay of the trio is totally free, restless but organic, risk-taking and attentive. The extended improvisation moves back and forth between adventurous, raw sonic searches to fiery and brutal free jazz eruptions with winks to instant, touching themes of post-bop jazz, all spiced with an eccentric sense of humor. When Gallio, Girod & Ulrich find the right dynamics they become an unstoppable, explosive unit, determined to blow out the Berne’s studio with powerful, positive vibrations.

THE WIRE, ANDY HAMILTON

Christoph Gallio has a second trio with Dominique Girod (bass) and Dieter Ulrich (drums, bugle) – their moniker Day & Bus is a play on the band-name Day & Taxi. This extended improvisation, an essay in post-bop expressionism, belongs to the series Life At The Zoo, recorded at Berne's Studio The Zoo. The results are freer and more in your face, less cerebral than Run, but they approach its artistic level.

JUKEBOX JAZZ NZZ, MANFRED PAPST

Day & Bus? Der Bandname erinnert an denjenigen der stilbildenden Formation Day & Taxi, die der 1957 in Winterthur geborene Alt- und Sopransaxofonist Christoph Gallio vor über dreissig Jahren ins Leben gerufen hat. Und tatsächlich: Gallio ist auch hier in bewährter Trioformation zugange, der Name ist mit einem Zwinkern gewählt. Mit von der Partie sind diesmal Dieter Ulrich am Schlagzeug, der schon zur ersten Besetzung von Day & Taxi gehörte, sowie der Bassist Dominique Girod. Doch während Gallio in «Devotion» auf kurze, prägnante Kompositionen setzte, haben wir es hier mit einer einzigen freien Improvisation von exakt 32:32 Minuten zu tun. Entstanden ist sie am 18. Mai 2021 im Auftrag Tom Gsteigers für seine Dokumentationsreihe «Live at the Zoo» in Bern. Die Musik spannt einen weiten Bogen. Sie beginnt mit tastenden ersten Statements, verdichtet sich, nimmt Fahrt auf. Die drei Musiker finden sich, verlieren sich wieder, finden sich erneut, erkunden zerklüftete und idyllische Klanglandschaften. Das ist ein faszinierender Prozess, weil es nie um kollektives Draufloslärmen geht, sondern um Dynamik, Dialektik, Dialog. Das Experiment verlangt eine risikobereite Zuhörerschaft, hält für diese jedoch jede Menge überraschender musikalischer Ideen bereit. **** (4 von 5 möglichen Sternen)

JAZZ N'MORE, PIRMIN BOSSART

Ein brachiales Musik-Set ohne Leitplanken bringt Abwechslung in den Jazz-Alltag. Christoph Gallio hat sein wandelbares DAY & TAXI-Projekt in den Bus gesetzt und fährt mit dem Bassisten Dominique Girod und dem Schlagzeuger Dieter Ulrich ab, dass sich die Ohren biegen. Free Flow und ein feiner Sinn für Struktur und Verwandlung durchdringen sich. Der 32-minütige Take, der auf dem Album festgehalten ist, wurde im Rahmen der "Live at the Zoo"- Serie in Bern (Produktion Tom Gsteiger, Wolfgang Zwiauer, Felix Wolf) aufgenommen. In den verschiedenen Parts des Stücks ist alles drin, was zeitgenössischen Jazz auszeichnet, der das Gegenteil von blutleer sein will. Die Musik bewegt sich zwischen Instant und Composition, hält den Free-Jazz-Funken wach und dämmert auch in den subtileren Klangzonen nicht weg. Gallio bläst seine Saxophone kraftvoll und dirty. Das Unverblümte seines Spiels hat eine Vehemenz, die man heutzutage nicht mehr so oft hört. Handkehrum ist da plötzlich wieder Space, verändert Girod die Räume mit seinen Bass-Topografien oder hält Ulrich mit seinen dynamischen Erschütterungen den Flow dringlich. Die Aufnahme beeindruckt nicht zuletzt mit ihrem unpoliert rauen Sound, der die Musik neben ihrem cerebralen Flimmern auch körperlich erfahren lässt.

BAD ALCHEMY, RIGOBERT DITTMANN

Bei Creative Sources stoße ich etwas überraschend auch auf Day & Bus (CS 720) von GALLIO GIROD ULRICH. Beide, der Kontrabassist Dominique Girod und der Drummer Dieter Ulrich, sind schon mit Christoph Gallio Day & Taxi gefahren, Girod war auch bei Road Works involviert und ist zur Zeit mit Irina Ungureano in Grünes Blatt, Sarah Chaksad “Songlines”, Apple Tree und Straymonk on the road. Ulrich in seinem schlagfertigen ABC vom Jazzclub Allmend, Urs Blöchlinger Revisited und Conference Call bis Omri Ziegele war auch ganz sein souveränes Selbst am 18.5.2021 'Live at The Zoo' in Bern. Und natürlich hatte er sein Bugle dabei, auch wenn in der Hauptsache Gallio seine Soprano-, Alto- & C-Melody-Saxophone blies, um diese halbe Stunde freihändig und freisinnig zu gestalten. Mit zart und innig gestrichenem und zungenspalterisch gezirptem Intro, rauschendem Becken und tapsenden Besenstrichen. Doch Gallios Horn entquillt schnell ein herzzerreißend rauer Ton, den Girod mit dem Bogen unterstreicht. Gallio quäkt und krächzt gegen alle apollinischen Gebote an, knatternd und plonkend flankiert, in der Tonsprache extraordinär und so raspelig, als wollte er sich an Schweizer Heiligtümern zu versündigen – sollen doch Milch, Käs, Schokolade und das Bankgeheimnis sauer, bitter und löchrig werden. Von Züri brännt brabbeln zwar nur noch die Alten, aber hier zunderts doch mit dem Spirit, den die punkigen Krawalle im Mai '80 Brandstiftern wie Pharoah Sanders, Archie Shepp und Brötze mitverdanken. Wie Bugle und Sax da krähen und rotzen und Gallio Rost und Feuer spuckt, das hat man aus der Schweiz lange nicht mehr so furios um die Ohren gefetzt bekommen. Gerade er, der mit cooler Sophistication immer ins Bessere vorgegriffen hat, scheint hier von Lacy zu Lüdi zu wechseln, um aufzurütteln mit einem Fanal, einem Lärmfeuer: Schluss mit Biedersinn und Zynismus, uns allen brennt der Kittel. [BA 113 rbd]