DOUBLE LP (CD GLASSWARE + DL included): AS IF YOU WERE HERE

PERCASO PRODUCTION LP 36 1 1⁄2 LP // 3 sides // 49:28 (PERCASO PRODUCTION CD 35 // 5 parts // 70:54 + DOWNLOAD included) // Musicians Christoph Gallio alto, soprano, // Raphael Loher piano, electronics // Ernst Thoma synthesizer // Dominique Girod double bass // Nicolas Stocker drums // Production notes Composed and edited to measure by Christoph Gallio // Recorded and mixed at HARD studios in Winterthur by Moritz Wetter, 2018 September 28 & 29 // Edited by Christoph Gallio // CD Mastered at HARD studios in Winterthur by Michael Brändli // LP Mastered at Centraldubs in Bern by Adi Flück // Produced by Christoph Gallio & Peter Bürli (Swiss Radio SRF 2 KULTUR) // Graphic design by Anne Hoffmann // CD Cover art by Caro Niederer // LP Cover art by Klodin Erb

Samples (LP)

Sample (CD)

Reviews

BAD ALCHEMY, RIGOBERT DITTMANN

Um sich selber Gehör zu verschaffen, muss ROAD WORKS erstmal einen Bulk Spatzen be- schwichtigen. Um dann mit fragiler Percussion überzuleiten zum schwungvollen Soprano- gesang von Christoph Gallio. Getragen von der dynamischen Rhythmsection aus Domini- que Girod, Gallios Partner in Day & Taxi, am Kontrabass und - neu - Nicolas Stocker an den Drums, umsponnen von den Electronics des ebenfalls neuen Pianisten Raphael Loher und dem Synthesizer von Ernst Thoma (an den Nostalgiker sich gern bei UnknownmiX erinnern werden). Der Zürcher Drummer hat sich profiliert als Sideman bei Nik Bärtsch's Mobile und Areni Agbabian und im ronin-rhythmischen Trio Kali mit Loher, der seinerseits im Gilbert Paeffgen Trio oder mit Troller & Sartorius gut unterwegs ist und eine weitere Masche knüpft, wenn er mit Girod und Grünes Blatt dessen Komposition "Die Nacht der blauen Büffel" intoniert. Für Gallios 5-teiliges Glassware (percaso 35) schwelgen sie in dessen lacyesk angejazzter Sophistication, die ihn seit Jahrzehnten als Apolliniker unter den Schweizer NowJazzern auszeichnet, den die leichten Musen, die einst schon Les Six geküsst hatten, zu animieren scheinen. Seit Jahren versuche ich vergeblich, seine mit Soprano- und Altosax angestimmte Artistik auf den Punkt zu bringen: als dynamische Melodik, als repetitives und transparentes Spintisieren mit elektronisch oder perkussiv kristallisierten Finessen, perlender oder präpariert geharfter Pianistik, gezielt angebrachtem Bassgeknurr oder schillerndem Flageolett. Durchwirkt mit nochmal vogeligem oder mit femininem Anhauch, gesprochenen Sentenzen wie "Love is a great thing", plötzlich wütendem Hundegebell. Kalkulierte Tonsetzung und schnittig zuckende Altoistik harmonieren so mit spielerisch geräuschhaften (V)-Effekten, die die Musik mit der Freundlichkeit des Laotse brechtianisieren. Wie "Road Works" (2013) mit der Foto-/Video-Kunst von Beat Streuli interagierte, so reflektiert "Glassware" "Glass Interior", eine Epson-ultrachrome-K3-inkjetprint-Serie und eine Videoarbeit der Zürcher Künstlerin Caro Niederer. Ähnlich wie wenn Niederer mit «Good Life Ceramics» (im Kunstmuseum St. Gallen) ein Mobile aus privat und öffentlich, eigen und fremd, freundschaftlich und alltäglich in eine durch Salon und Café optimierte Lebenswelt konzipiert, korrespondiert das, am Gegenpol zu Pflastersteinen und Wasserwerfern in Glashäusern und zu politischen Elefanten in Porzellanläden, aufs Feinste mit Gallios so selbstverständlich generösem »Minimalprogramm der Humanität«.

Auf As You Were Here (percaso 36, 11⁄2LP) entfaltet ROAD WORKS über 49 1⁄2 Min. die "Glassware"-Ästhetik weiter in einer Montage improvisierter Passagen mit den komponierten. Dabei nehmen sich alle fünf spielteuflisch expressive und bruitophile Freiheiten, Gallio forciert mit entsprechendem Rückenwind seine lacyeske Laune zu Ornette-Coleman'scher Dynamik. Zu Synthiegespinsten und bedächtigem Pizzicato scharrt Stocker an Blech, Loher im Innenklavier, für ein Noise-Ambiente, das 'behind the Looking-Glass' gesucht wird, statt sich mit eitler Selbstbespiegelung zu begnügen. Oder Girod schraffiert mit dem Bassbogen zu kristallinen Pianoanschlägen und opaker Elektronik. Aber Thoma ruft auch furzelige Sounds ab, Gallio rostige und refraktiv kakophone in einem nun kaleidoskopischen Klangbild aus ständig wechselnden Splittern, die das Imaginäre als fragil, gebrochen, dispersiv oder zerrbildhaft vermitteln. In kleinteilig und kurzweilig Klang gewordener Reflexion, die ganz offen mit ihrer Doppelbedeutung spielt. Wobei den Gedanken hier keine Blässe nachgesagt werden kann, Gallio führt mit ostinat gekrähtem Soprano groovige Schachzüge aus. Die werden jedoch von elektroakustisch gewieften Winkelzügen flankiert, in denen jazzige Poesie, kirrender Altofuror und skurrile Bruitismen - eine rasselnde Kette, ein maunzender Synthie oder schimmerndes Flageolett etwa - miteinander Ping-Pong spielen. "Road Works" bestand aus 72 Splittern, das hier aus nicht viel weniger. Nicht weil Gedankenblitze und Aufmerksamkeitsspannen, kürzer als das kürzeste Nachthemd, jede Konsistenz zerbröseln. Die Musik hat in ihrer neomodernistischen Heldenhaftigkeit genuin tausend Gesichter, aber doch nur sich selber als Message. Nur? Empfiehlt sie sich nicht doch auch als polymorph facettierte, molekulare, flexible Alter- native zur Zerbrechlichkeit von Glück und Glas?

MUSIC ZOOM.IT, VITTORIO LO CONTE

Con la band Road Works il sassofonista svizzero contralto e soprano Christoph Gallio presenza una lungo lavoro, sui settanta minuti, in cui come sempre composizione e improvvisazione si alternano portando all’ascoltatore paesaggi sonori originali che hanno le loro radici nella new music e nella musica free europea. Con Gallio ci sono Raphael Loher al pianoforte ed agli effetti elettronici, Ernst Thoma al sintetizzatore, Dominique Girod al contrabbasso e Nicolas Stocker alla batteria ed alle percussioni. Fin dall’inizio, la lunga Part 1, Gallio guida la band attraverso terreni inconsueti in cui il suono del sintetizzatore incontra atmosfere jazzistiche ed anche un poco di swing ha il suo spazio, fianco a fianco con momenti astratti dove il sintetizzatore gioca un ruolo importante affiancandosi agli strumenti acustici. Un jazz di stampo europeo a tratti romantico trova il suo spazio, che non dura a lungo, nella girandola di situazioni che coinvolgono i musicisti. L’ascoltatore trova sorprese e situazioni nuove quasi come in un caleidoscopio, ogni volta nuove, mutevoli, da cui lasciarsi trasportare. Gallio e la sua band abbattono gli steccati fra i generi in modo radicale mentre i suoi sassofoni emergono con calore dalle innumerevoli situazioni con cui è confrontato. Un disco sorprendente, fuori dalla routine.