CD: TSURU NO SUGOMORI

2014, percaso production CD 30 // 10 tracks // 59:00 
Musicians Ueli Fuyûru Derendinger shakuhachi // Production notes All compositions are traditionals, except tracks 3, 6 and 9 by Ueli Fuyûru Derendinger // Recorded at the auditorium in Waldegg Castle in Feldbrunnen by Tibor Elekes & Ueli Derendinger, 2014 June 1 // Edited by Ueli Fuyûru Derendinger // Mixed & mastered at Klangdach Studio in Guntershausen by Will-y Strehler // Produced by Ueli Fuyûru Derendinger & Christoph Gallio // Photo by Lukas Rohner // Graphic design by Anne Hoffmann // Cover art by Cécile Wick

Liner notes

Insert

The shakuhachi is an end-blown five–hole bamboo flute. In the 8th century it made its way from China to Japan, where it was used in conjunction with other instruments in the traditional court music (gagaku). In the 13th century the shakuhachi was introduced a second time in Japan. Since the 16th century the instrument could be found in the hands of wandering monks belonging to the Fuke sect, who believed their ancestor to be the 9th-century Chinese Zen master P’u K’o (jap. Fuke). They strove to play „as though they had lost their reason“, and made breathing audible to achieve „absolute tone“. Over time, this emphasis on tone resulted in music of „singular beauty“.

Ueli Derendinger was born in Olten, Switzerland. He studied flute with Felix Manz at the Music Academy of Basle. Since 1980 he has been studying the shakuhachi, first with Andreas Fuyû Gutzwiller in Basle, then with Satoshi Zenpô Shimura in Osaka. In 1998, Derendinger received the title of Shihan and the professional name Fuyûru from shakuhachi master Kawase Junsuke III of Tôkyô (Kinko school). In 2002 his home canton Solothurn awarded him the cultural prize for music.

 

 Die Shakuhachi ist eine offene Längsflöte aus Bambus mit fünf Grifflöchern. Sie kam im 8. Jh. aus China nach Japan und fand dort am Kaiserhof zusammen mit andern Instrumenten Verwendung in der traditionellen Hofmusik. Im 13. Jh. wurde sie ein zweites Mal in Japan eingeführt. Seit dem 16. Jh. wurde die Shaku-hachi auch von buddhistischen Bettelmönchen gespielt. Diese gehörten dem Fuke- Orden an, der sich auf P’u K’o (japanisch: Fuke), einen chinesischen Zen-Meister des 9. Jh. bezog. Sie entwickelten eine einmalige Form meditativer Praxis, eine Art „Ton-Meditation“, in deren Zentrum der hörbar gemachte Atem und der Ton stehen.   

Ueli Derendinger ist in Olten aufgewachsen. Er studierte Querflöte, anschliessend die japanische Bambusflöte Shakuhachi in Basel und in Japan. 1998 wurde ihm von Kawase Junsuke III (Tôkyô) der Titel shihan (Meister) und der Meistername fuyûru verliehen. 2002 erhielt er den Kulturpreis für Musik des Kantons Solothurn.

 

Samples

  1. HÔTAKU p
  2. AI-COEUR p

Reviews

TOUCHING EXTREMES, MASSIMO RICCI

The prerequisite for an album of solo shakuhachi is, of course, silence to begin with. Ueli Derendinger – who has studied with renowned Japanese masters of the instrument – knows very well how essential that condition is. In Tsuru No Sugomori he donates seven traditional compositions plus three individual conceptions; unless you’re a bona fide authority in the genre, the difference could not be told. The music literally catches the particles of sound that float in the calmness; then, it proceeds in spontaneous generations of reflective melodies whose microtonal character is complementary to our perception of sober gravity and serene concentration. This is one of those instances in which a player manages to deliver the listener’s mind from the obligations of analysis, filling the room with implicit meaningfulness while carving a short interval of inner peace from the surrounding chaos. For that, I can invite the readers of this review to relinquish any precaution and become practically defenceless: Derendinger is the kind of musician who can keep an audience reassured, possibly generating warm illusions before a return to normality, definitely enhancing what’s left of the “smile inside”.

LE SON DU GRISLI, LUC BOUQUET

Bien sûr, le shakuhachi. Bien sûr, ses vertus apaisantes, ses vents ancestraux, les monts et les vals. Bien sûr, les sages chemins, les bienveillants refuges. Bien sûr, le souffle forgé, les spectres disparus, la lumière du voyage. Bien sûr, les respirations et les espaces. Bien sûr, ce souffle élancé, effilé. Ici, bien sûr, tout cela.

Mais au milieu de la tradition Taizan ou Kinko, le shakuhachi de Ueli Fuyûru Derendiger module et improvise quelques chants d’hirondelles et de hiboux heureux. Une harmonique perçante ici, un chant sacré ailleurs : les éclaircies n’en sont que plus belles, plus étincelantes.

FONOTECA NAZIONALE SVIZZERA, ROMANO NARDELLI

Christoph Gallio, sassofonista e direttore dell'etichetta Percaso la quale da ormai quasi un trentennio ci propone testimonianze di assoluta e benvenuta libertà musicale, inserisce nel catalogo un'oasi di pace e serenità grazie a Fuyûru (al secolo Ueli Derendinger) e al suo strumento "Shakuhachi".
Un CD da ascoltare senza controindicazioni per ritrovare pace e serenità.

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, CHRISTOPH WAGNER

Erlösende Flötenmusik In Japan kennt man die Bambusflöte Shakuhachi von den Komuso-Bettelmönchen. Wenn sie das Kloster verlassen, um mit ihrem Flötenspiel Geld zu verdienen, tragen sie über dem Kopf einen Korb, um auch ausserhalb des Klosters von der Welt abgewandt zu sein. Ihr Spiel dient der Versenkung, ist eine Art Meditation. Ueli Derendinger, Querflötist aus Olten, hat sich in diese Tradition vertieft. In Japan hat er gelernt, die Shakuhachi rau und heisser zu blasen, mit einem Ton, der zugleich asketisch und vielschichtig klingt. Wie bei einer Kalligrafie zeichnet der Schweizer klare Linien, lässt die Melodie in die Luft steigen, um sie sturzflugartig wieder fallen zu lassen. Auf seiner neuen Einspielung sind zehn Stücke enthalten. Sieben davon entstammen dem klassischen Shakuhachi-Repertoire, drei hat Derendinger selbst komponiert. In den eigenen Kompositionen geht er über den Rahmen der Tradition hinaus. In einem Stück verwandelt er die Bambusflöte in eine Trommel, indem er auf die Grifflöcher klopft. Ein andermal verdichtet er Triller zu flirrenden Tonkaskaden. Manchmal steigt er in die tiefsten Register hinab, um die Obertonreihe der Holzflöte hörbar zu machen. Es heisst, dass man durch das Blasen eines einzigen Tons, Erlösung finden kann. Ueli Derendinger ist auf der Suche nach diesem Ton.

MONSIEUR DÉLIRE, FRANÇOIS COUTURE

À mon avis, le shakuhachi est la plus belle flûte au monde. Un son caverneux qui laisse entendre le souffle, qui a du fantôme dans l’âme et qui, grâce à ses possibilités microtonales, semble exprimer toute la gamme des mélancolies. Derendinger propose sept airs traditionnels et trois compositions originales, ces dernières s’intégrant parfaitement dans ces premiers. Enregistrement impeccable, exécution émouvante, improvisations judicieuses (la musique pour shakuhachi laisse beaucoup de liberté dans le développement des thèmes). Que demander de plus?

In my book, the shakuhachi is the prettiest flute in the world. Its cavernous sound lets you hear the breath of the player. It is a sound that has a ghost in its soul. And the instrument’s microtonal capabilities allows the player to express the full range of human melancholia. Derendinger delivers seven traditional tunes and three original compositions, the latter blending in perfectly with the former. Impeccable recording, moving performances, judicious improvisations (in music for shakuhachi, the player has a lot of freedom when it comes to developing the theme). What more could I ask for? 

BAD ALCHEMY, RIGOBERT DITTMANN

Nein, nicht vom Alphorn ist der Schweizer UELI FUYÛRU DERENDINGER zur Shakuhachi gekommen. Der Grauschopf aus Olten, der etwa mein Jahrgang sein dürfte, hat zuvor Querflöte studiert, bevor er sich ab 1980 der japanischen Längsflöte aus Bambus zuwandte und es zu anerkannter Meisterschaft brachte. Daher das Fuyûru. Ohne sich deshalb in fernöst­licher Verstiegenheit näherliegende Reize zu versagen - eine musikalische Seilschaft, Sanshi getauft, hinauf zu den Purpurbergen verbindet ihn tat­sächlich mit einem Alphornisten, nämlich Balthasar Streiff (von Stimm­horn). Derendinger beherrscht die Taizan-Tradition ebenso wie die Kinko-, Nezasaha-Kimpu- und Futaiken-Tempel-Tradition, wie er auf Tsuru no sugomori (Percaso Production 30), fast 20 Jahre nach San' Ya (Percaso Production 14, 1995), noch einmal demonstriert. Eine besondere Bedeu­tung für ihn hat jedoch die Fuke-shû, eine auf Zhenzhou Puhua (auch Fuke Zenji oder P'u-k'o genannt), einem Meister des 9. Jhdts., zurückgehende, quasi bettelmönchische Linie im Zen-Buddhismus, die im 13. Jhdt. auch nach Japan kam, aber schließlich 1871 verboten wurde. Den Komusō, wie die Mönche genannt wurden, durch ihre bienenkorbartige Kopfbedeckung auffällige Gestalten, galt Suizen, die Kunst, die Shakuhachi zu blasen, als der Weg zur Erleuchtung. Der abso­lute Ton könnte, das war ihre maß­gebende Überzeugung, durch ein atmendes Klarsein abseits des Ver­standes erreicht werden. Wenn die hergebrachten Motive - das neblige Meer, dunkle Täler, Kraniche - die man von den japanischen Holzschnitten her kennt und die Derendinger als die vielgestaltigen Adagios anstimmt, die sie sind, als Meditationsschlüssel nicht genügen, dann sind andere Mit­tel erlaubt, andere Vorbilder gefor­dert. Ein wilder Affe ('Yaen'), das Faul­tier ('Heart of Sloth'), die schäbige Schabe ('Aburamushi') sind die Hel­den dreier eigener Stücke, die sich von den traditionellen als kurze Ca­priccios abheben. Mit überblasenen Luftstößen, Trillern und sogar Zwei­stimmigkeit oder wenn er die Töne zwischen rau und zirbig springen lässt, zeigt Derendinger da über die beherrschte Versenkung und das sehn­suchtsvolle Schlürfen von Mondmilch hinaus noch verspieltere und wildere Möglichkeiten. Die, auch wenn sie ebenso wenig zur Erleuchtung führen, doch der Bewusstseinserheiterung dienen. Er endet mit 'Tsuru No Sugo­mori', jenem Meisterstück, das, in der Version von Goro Yamaguchi, per Voyager-Raumsonde die Kraniche ins Unendliche flattern lässt. [BA 83]

VITAL WEEKLY, DOLF MULDER

Derendinger studied flute at the Music Academy of Basle and has been studying Shakuhachi since 1980 in Switzerland but also in Japan where he received the title of of Shihan and the professional name Fuyûru from shakuhachi master Kawase Junsuke III of Tokyo (Kinko school). The shakuhachi is a bamboo flute that came to Japan from China in the 8th century. Over the centuries it became an important instrument for wandering monks. In 2001 he released an album in collaboration with Balthasar Streiff, who plays a typical wind instrument from Switzerland, the Alphorn. Earlier, in 1995 he recorded a fist solo album for Percaso, thus making ‘Tsuru no sugomori’ his second onel. Derendinger plays traditional works, of Japanese origin, except for three titles that are by his hand. Everything was recorded on june 1, 2014, at the auditorium in Waldegg Castle in Feldbrunnen. Although mostly traditional music, at the same it is close to improvised and new music, to standards of our days. Derendinger gives passionate interpretations of the pieces that are a lot about timbre. Each piece is like a poem or a meditation. I guess Derendinger also learned about the spirituality behind this music, as one feels the presence of it in his playing. An inspiring album. 

CULTUREJAZZ.FR, THIERRY GIARD

Saxophoniste et directeur de label à l’esprit très ouvert, le suisse Christophe Gallio fait une place à ce disque de musique japonaise dans son catalogue. Nous ne sommes pas spécisaliste du shakuhachi mais l’écoute de ce disque et de ce musicien, suisse également et disciple de maîtres japonais, Ueli Derendinger (dit Fuyûru) est vraiment propice à la divagation de l’esprit.